Jedes KI-Video beginnt gleich: ein blinkender Cursor in einer leeren Prompt-Box. Du tippst „ein schöner Sonnenuntergang über dem Meer“, klickst auf Generieren und bekommst … einen Sonnenuntergang. Technisch korrekt. Komplett vergessbar.
Der Unterschied zwischen diesem Clip und einem, der Leute mitten im Scrollen anhalten lässt, ist nicht das Modell — es ist der Prompt. Nach Tausenden von Generierungen auf Seedance 2.0 ist hier, was wir über Prompts gelernt haben, die wirklich funktionieren.
Denk wie ein Regisseur, nicht wie jemand, der sich etwas wünscht
Ein schwacher Prompt beschreibt einen Wunsch: „ein epischer Drache“. Ein starker Prompt liest sich wie die Shot-Notiz, die ein Regisseur dem Kameramann in die Hand drückt. Er beantwortet vier Fragen:
-
Subjekt — wer oder was ist im Bild? Sei konkret: nicht „eine Frau“, sondern „eine silberhaarige Geigerin im regennassen Trenchcoat“.
-
Aktion — was passiert über die Zeit? Video ist Bewegung; ein Prompt ohne Verb ist ein Foto. „Sie hebt den Bogen, zögert, dann spielt sie.“
-
Kamera — wo sitzt das Objektiv, und wie bewegt es sich? „Langsamer Push-in aus niedriger Perspektive.“
-
Atmosphäre — Licht, Farbpalette, Stimmung. „Neonreflexe auf nassem Asphalt, kalte Petrol-Schatten, warme Kunstlicht-Akzente.“
Alles zusammen: „Eine silberhaarige Geigerin im regennassen Trenchcoat steht unter einer flackernden Straßenlaterne. Sie hebt den Bogen, zögert, dann spielt sie. Langsamer Push-in aus niedriger Perspektive. Neonreflexe auf nassem Asphalt, kalte Petrol-Schatten, warmes Licht auf ihrem Gesicht.“
Das ist keine Lyrik. Das ist eine Arbeitsanweisung — und Modelle folgen Arbeitsanweisungen.
Lern zehn Wörter Kamerasprache
Du brauchst keine Filmhochschule. Diese paar Begriffe decken 90 % von dem ab, was du je brauchen wirst:
-
Push-in / Pull-back — die Kamera bewegt sich auf das Subjekt zu oder von ihm weg.
-
Schwenk / Neigung — die Kamera dreht sich von einem festen Punkt aus horizontal / vertikal.
-
Kamerafahrt — die Kamera bewegt sich neben einem Subjekt in Bewegung her.
-
Orbit — die Kamera kreist um das Subjekt.
-
Handkamera — feines Wackeln, Doku-Energie.
-
Statische Einstellung — feststehende Kamera; die Bewegung des Subjekts trägt das Bild.
-
Großaufnahme / Totale — wie viel von der Szene das Bild füllt.
Eine Kamera-Anweisung pro Prompt reicht völlig. Drei Bewegungen in fünf Sekunden zu stapeln ergibt Brei.
Die Fehler, die die meisten Prompts ruinieren
-
Überladen. Ein Clip von 5–10 Sekunden trägt eine Idee. „Ein Ritter kämpft gegen einen Drachen, während eine Stadt brennt und Flüchtende davonrennen und …“ — entscheide dich für eins.
-
Keine Bewegung. Wenn sich in deinem Prompt nichts bewegt, erfindet das Modell die Bewegung für dich — und die wird dir vermutlich nicht gefallen.
-
Widersprüche. „Ein stockdunkler Raum, hell von Sonnenschein erleuchtet“ zwingt das Modell, unvereinbare Ideen zu mitteln.
-
Stil-Brei. „Cinematisch, Anime, fotorealistisch, Aquarell“ — leg dich auf einen Look fest.
Iteriere wie ein Ingenieur: nutze den Seed
Generierung enthält Zufall. Der Seed nagelt ihn fest: Derselbe Prompt mit demselben Seed reproduziert dasselbe Ergebnis. Das macht Prompting zum kontrollierten Experiment — Seed fixieren, ein Wort ändern, und du siehst exakt, was dieses Wort bewirkt. Wenn eine Generierung fast sitzt, behalte den Seed und verfeinere den Prompt, statt neu zu würfeln.
Wähle den passenden Modus für den Job
Prompts arbeiten nicht allein — der Eingabemodus zählt genauso:
-
Text zu Video, wenn du aus reiner Vorstellung startest.
-
Bild zu Video, wenn der exakte Look schon existiert — ein Produktfoto, ein Porträt, eine Illustration. Dein Prompt muss dann nur noch die Bewegung beschreiben.
-
Referenz zu Video, wenn eine Figur oder ein Produkt über mehrere Clips hinweg konsistent bleiben muss.
Und jetzt: generieren
Prompts schreiben ist ein Skill, den du dir in Wiederholungen aufbaust, nicht in Theorie. Nimm die vier Bausteine, klau dir das Kameravokabular, fixiere einen Seed und fahre fünf Variationen derselben Idee im KI-Video-Generator. Beim fünften Clip schreibst du Shot-Notizen — und die leere Prompt-Box wird nie wieder leer aussehen.